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Mieserabler Billig-Schrott von Conrad - schaltbarer Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Best.Nr. 976193 ...

... ein 7-Port-USB-Hub ohne Netzteil aber mit Rückspeisungsphänomen :-(

Selbst bei traditionsreichen Unternehmen wie Conrad Electronic muß man heute als Kunde genau hinschauen, um keine Überraschungen zu erleben. Am Ende hat man für einen - nicht eben als Spottpreis zu bezeichnenden - Betrag von 16,95 € einen USB 2.0 Hub mit 7 Ports erworben, der weder ein Netzteil mitbringt, noch sich an einfachste Dinge aus der USB Spezifikation hält.

Conrad Electronic gilt als ein traditionsreiches Unternehmen und ist unter Bastlern, Hobby-Elektroniker wie auch Profis einigermaßen beliebt und geschätzt. Neben dem Versandhandel werden auch Niederlassungen und Stores in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern betrieben. Schon seit vielen Jahren bin ich dort Kunde, zuletzt meist als Mitbesteller oder direkt in der Filiale in Braunschweig, weil sich das Bestellen von ein paar Kleinigkeiten zumeist nicht lohnt. Bisher auch immer halbwegs zufrieden ... ja, bis ich einen 7 Port USB 2.0 Hub (Eigenmarke, Best.-Nr. 976193 in der Conrad Filiale in Braunschweig mal eben so mitnahm [Fehler #1].

Das Ausgangsproblem: ein self-powered USB Hub für den Raspberry Pi muß her

Eines der Technik-Gadgets im Jahre 2012 düfte rückblickend der Raspberry Pi gewesen sein. Ein wenig fühlte man sich wieder in die Zeiten von Mangelwirtschaft etc. zurückversetzt. Im Früjahr vorbestellt – limitiert auf je ein Stück pro Besteller bei zwei verschiedenen Distributoren – wurden die Pis erst nach einigen Wochen bis Monaten geliefert.

Neben allem Positivem, was mit diesem kleinen Rechner alles mölich ist, und trotz aller Euphorie verstehe ich einige Design-Entscheidungen bei bestem Willen nicht. Bspw. warum keine Befestigungslöcher vorgesehen waren (jetzt ja offenbar doch kein Problem mehr) oder warum man die beiden USB Ports auf weniger als 500 mA limitiert (und zwar durch Sicherungen von - wenn ich mich nicht täsche - 140 mA pro Port).

Dies bedingt bei vielen USB Geräten einfach schon zwingend, daß man diese an einen USB Hub mit eigener Stromversorgung anschließt.

Das Folge-Problem: ein schaltbarer 7 Port USB 2.0 Hub von Conrad

Eines Tages war ich samstags mal wieder in Braunschweig und stattete der Conrad Filiale in der Sudetenstraße einen Besuch ab. Wie so oft, verläßt man dann den Laden mit allerlei Kleinkram, selbst wenn man nur Schauen und gar nichts kaufen wollte ;-) Ein eher zufällig im Einkaufskorb gelandetes Mitbringels war eben ein USB Hub für den Pi.

Konkret handelt es sich um folgendes Produkt: Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, schaltbar (Conrad Electronic)

Um es mal zu bebildern, hier einige Aufnahmen:

Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193
Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193 – Ansicht von oben

Blisterverpackung, Vorderseite - Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193 Blisterverpackung, Rückseite - Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193
Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193 – Blisterverpackung

Selbst-Kritikpunkt #1: Verpennt, dass kein Netzteil beigelegt

Wenn man im Internetshop genau die Beschreibung liest (oder sich wahlweise die Verpackung genau anschaut), fällt einem hoffentlich schon der erst kleine Fallstrick auf: Im Lieferumfang ist kein Netzteil aufgeführt!

Da muß ich also selbstkritisch sagen: Habe ich mir nicht im Detail durchgelesen. Dabei ist auf der Rückseite explizit erwähnt: "Betriebsspannung 5V DC via USB -Anschluss". Zudem ist treffenderweise kein Netzteil unter Packungsinhalt vermerkt.

Fazit: Mein Fehler, mir die Verpackung nicht genau angesehen zu haben!

Nichtsdestotrotz kann dieser Fehler durchaus schnell passieren. Wenn man sich die Verpackung anschaut, so befindet sich dort ein durch Kartonage umhüllter Bereich, in dem sich lediglich das aufgerollte USB-Anschlußkabel befindet. Dor könnte man aber gut und gerne ein kompaktes 5V Netzteil unterbringen.

Wer als nur flüchtig schaut, weil er der irrigen Meinung ist, a) was kann bei einem 7 Port USB Hub schon groß schiefgehen und b) derjenige noch dazu davon ausgeht, daß es sich bei einem solchen Hub mit 7 Ports zwangsweise um einen Hub mit eigener Stromversorgung handeln müßte, hat ggf. ein "Ach wie?"-Erlebnis.

Kritikpunkt #2: Kein Netzteil beigelegt — 7 Port Hub ohne Netzteil sinnvoll betreibbar?

Nun kann man trefflich streiten, wie sinnvoll es ist, einen bus-powered USB Hub mit 7 Ports zu produzieren.

Faktisch sieht die USB Spezifikation ja vor, daß Low Power Geräte max. 100 mA und High Power Geräte max. 500 mA benötigen dürfen. Zudem soll das Gerät seine Erfordernisse ja mit dem USB Controller ausmachen, der eigentlich erst auf Anforderung dauerhaft mehr als 100 mA bereitstellen soll.

Kurzzeitig erlaubt die USB Spezifikation wohl auch, daß bspw. beim Anlaufen eines Laufwerkes bzw. Anschalten eines Grätes kurzzeitig mehr als 500 mA benötigt werden düfen.

Als rechnen wir einfach einmal: 7 x 500 mA = 3500 mA (3,5 A)

Darin ist der Eigenverbrauch des USB IC im USB Hub noch nicht einmal explizit berücksichtigt!

Das die "Produktgestalter" bei Conrad rechnen können beweist sich ja darin, daß neben dem Eingang (Hohlbuchse) für die externe Spannungversorgung richtigerweise vermerkt ist: DC 5V 3.5 A. Zudem wird die Polarität des Steckers angegeben. Fein!

Als bus-powered Hub bekommt der 7 Port Hub im Normalfall lediglich 500 mA vom Rechner. Lä&Szlig;t man mal bereits solche Lappalien wie den Eigenverbrauch durch den USB Hub IC und die "Festbeleuchtung" mittels blauer LEDs außer Betracht, so bleiben bei einer Nutzung aller 7 Ports schlicht: 500 mA / 7 = 71,42 mA pro Port übrig.

Damit kann man nicht einmal ein normales Low Power USB Gerät betreiben! Natürlich mag es funktionieren, wenn man nur einige der 7 Ports benutzt, dazu nur Low Power Geräte und wenn darunter (wie üblich) einige sind, die nur 40 mA oder 70 mA benötigen (Maus, Tastatur, Speichersticks) dann mag das funktionieren, muß es aber nicht!

Fazit: Meines Erachtens macht es absolut keinen Sinn, einen USB Hub mit 7 Ports als bus-powered Hub zu vertreiben.

Selbst bei Nutzung von nur Low Powered USB Geräten, die max. 100 mA verbrauchen dürfen, kann man damit nicht alle 7 Ports nutzen. Oder man läuft halt Gefahr irgendwelche seltsamen Effekte zu haben.

Meines Erachtens gehört eigentlich ein expliziter Hinweis darauf, daß man das so gekaufte Produkt nur mit einem zusätzlichen Netzteil vernüftig nutzen kann.

Kritikpunkt #3: Rückspeisung der externen Versorgungsspannung zum Rechner

Soweit so gut. Mit meiner eigenen Dummheit hatte ich mich schon abgefunden, als mir ein weiteres Problem über den Weg lief. Trotz des USB Hubs, hatte ich immer noch einige merkwürdige Effekte am Raspberry Pi, z.B. gelegentliche Dis-/Reconnects von USB Geräten usw.

Ach, eh jemand fragt: natürlich habe ich ein passendes Netzteil angeschlossen. ;-)

Raspberry Pi und USB HUB Netzteil sind bei mir an einem "Power Manager" angeschlossen. Einfach ein Untersatz mit (zufälligerweise ebenso) 7 Steckdosen, die man einzeln schalten kann. Ebenfalls vor Jahren bei CONRAD erworben.

Bei einem der Neustarts (der Pi hat ja keinen Ein-/Ausschalter) schaltete ich also den Pi aus, der USB Hub wurde aber noch mit Spannung versorgt und ich staunte nicht schlecht, als ich sah, daß der Bildschirm nicht dunkel wurde, sondern der Pi irgendwie weiter lief, aber abgestürzt war. Irgendwie wurde er vom USB Hub noch weiter mit Spannung versorgt.

Ein klassisches Rückspeisungsphänomen, was es eigentlich nicht geben dürfte!

In der USB-Spezifikation heißt es dazu explizit, Zitat:

"No device shall supply (source) current on VBUS at its upstream facing port at any time.".

Zu Deutsch: Kein Gerät darf Strom in die Versorgungsspannung an seinem USB-Anschluss zurückspeisen. Weitere Kommentare erspare ich mir.

Fazit: Der USB Hub speist die externe Versorgungsspannung einfach in den Rechner zurück, an den man den Hub anschließt. Das widerspricht schlicht der USB Spezifikation

Abhilfe-Möglichkeit #1: Zurück zum Händler damit!

Wer solch einen miserables Produkt für stolze 16,95 Euro vertreibt, hat es eigentlich verdient, daß man das Teil sofort wieder in den Laden zurück bringt oder wahlweise einfach zurück schickt, sollte man es online bestellt haben.

Dazu hat man ja sowohl das Widerrufsrecht aus den Fernabsatzverträgen, als auch hier im konkreten Fall vermutlich auch aufgrund der Tatsache, daß man schlicht ein mangelhaftes Produkt erhalten hat.

Dumm nur, wenn man nicht online gekauft hat und zur Conrad Filiale fahren müßte, wobei man insges. 120 km hin und zurück unterwegs ist. :-(

Abhilfe-Möglichkeit #2: Durchtrennen der 5V Leiterbahn zur USB Upstream

Die einfachste Variante ist dann, durch schlichtes Durchtrennen der Leiterbahn der 5 V Versorgung, die vom USB Upstream Anschluß (USB Stecker) kommt, daraus wirklich einen self-powered USB Hub zu machen.

Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193
Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193 – Ansicht PCB von unten Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193
Conrad 7 Port USB 2.0 Hub, Art-Nr. 976193 – AnsichtPCB von unten Detail
rechts neben dem IC, oberhalb der Aussparung die durchtrennte Leiterbahn

Gesamt-Fazit: Conrad Electronic – ein Händler wie so viele

Vorweg: Diesen USB Hub unter der - sich als irrig herausstellenden - Annahme gekauft zu haben, man bekäme zu einem 7 Port USB Hub ein Netzteil, ist meine eigene Schuld. Man muß also wirklich alles überall genauestens Anschauen und Studieren und darf nicht von einigermaßen als logisch empfundenen Gegebenheiten ausgehen.

Von der "Leistung" von Conrad Electronic bin ich maßlos enttäuscht.

Nicht nur, daß man sich genauestens die Verpackung und Beschreibung durchlesen muss, um keine Überraschung zu erleben (das nehme als eigene Dummheit halt auf meine Kappe). Am Ende hat man einfach nur einen Billigschrott aus fernöstlicher Produktion erworben, der weder besonders gut verarbeitet ist, noch sich an irgendwelche "Normen" hält und fröhlich Spannung in den PC rückspeist. Qualität ist anders ....

.. und ob man damit dem selbst gewählten Credo ala Vielfalt und Kompetenz, Ob Anwender, Bastler oder Freak: Wir liefern clevere Ideen und praktische Lösungen für jeden Technik-Einsatz. usw. gerecht wird, wie es die Unternehmensdarstellung auf der conrad.de Homepage verspricht, wage ich mal zu bezweifeln.

Zudem erweist sich mal wieder, daß doch bei USB alles möglich erscheint - nur nicht, daß irgend jemand mal einen Blick in die Spezifikation wirft. :-( Das hat mit "Ingenieurskunst" wenig zu tun.

Nun könnte man das Problem schlicht darauf zurückführen, daß diese Produkte ausnahmslos aus Fernost, zu 90% aus China kommen und "die dort" es eben nicht besser können. Das greift m.E. aber viel zu kurz, denn selbst wenn das so wäre — was bittet hindert denn den Einkäufer solcher Produkte daran, auf derlei "Kleinigkeiten" zu achten? Oder bspw. eine Qualitätskontrolle der eintreffenden Ware vorzunehmen? Na .... wer? NIEMAND!

Und nach den Gesetzen der Marktwirtschaft, die auch und vor allem in diesen Bereichen in China herrschen, gibt es solche schrottigen Produkte genau deshalb, weil es einen riesigen Markt dafür gibt. Nicht etwa (nur) auf der Seite der Endkunden sondern gerade von Großhandel und gewerblichen Wiederverkäufern.

Mittlerweile sind wir einfach soweit, daß es schlicht keinen mehr schert. Der Kunde ist der Dumme, darf für sich selbst evaluieren, ob bspw. ein USB Hub oder Gerät munter Spannung zurückspeist und darf ggf. einfach noch Modifikationen vornehmen, um daraus ein halbwegs funktionierendes Produkt zu machen.

Es geht schlicht darum, solchen Schrott billig einzukaufen, mit einer selbst gestalteten Verpackung anzuhübschen und an den Mann zu bringen. Möglichst teuer noch dazu, wozu ja auch ein über Jahre gepflegtes Image gehört .... das kaum jemand hinterfragt und von dem sich gut leben läßt, offenbar.

Tobias Stöber -- 2012/11/04